Die Orgeln von St. Marien
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Kapitelverzeichnis

 1385 - 1468
 1475
 1508 - 1510, Blasius Lehmann
 1522, Hans Hauck
 1523 - 1524, Blasius Lehmann
 1547, Anthonius (Lehmann) aus Bautzen
 1582 - 1585, Julius Anthoni (Friese)
 1616, Merten Friese & Ägidus Schubbe
 1652 - 1683, Die Orgelbauerfamilie Nitrowski
 1712 - 1735, Andreas Hildebrandt
 1758 - 1760, Friedrich Rudolf Dalitz
 1777 - 1778, Friedrich Rudolf Dalitz
 1869, Carl Schuricht
 1891, Max & August Terletzki
 1895, Otto Heinrichsdorf
 1931, Josef Goebel
 1935 - 1938, Emanuel Kemper
 1945 - 1961
 1979, 1982 - 1985, Gebrüder Hillebrand



1385 - 1468
       Die ältesten Quellen die auf ein Bestehen einer Orgel in St. Marien hinweisen gehen auf das Jahr 1385 zurück mit der Erwähnung eines “Magister organista” der in der Basilika angestellt war.
Der erste namentlich aufgeführte Organist war Meister Paul Schuldte, der von 1459 bis 1468 in der Basilika arbeitete.

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1475
       1475 besaß die Marienkirche bereits drei Instrumente: eine Positivorgel in der Reinholdskapelle, eine Positivorgel in der Allerheiligenkapelle, und eine große Orgel an der Westwand des Hauptschiffs.

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1508 - 1510, Blasius Lehmann
       In den Jahren 1509-1510 baute der Orgelbaumeister Blasius Lehmann aus Bautzen eine neue, große Orgel für die Marienkirche.
Zuvor jedoch demontierte Lehmann die bestehende Orgel des Hauptschiffs und richtete sie wieder über dem Eingang zur Allerheiligenkapelle auf. Somit schuf er den Platz für seine große, 1510 fertig gestellte, Hauptschifforgel, welche 1926 Pfeifen enthielt.
Sehr wahrscheinlich hatte Lehmann seine Arbeit nicht vollendet, was seine Rückkehr nach Danzig 13 Jahre später erforderte.
Es gibt Hinweise darauf, dass Lehmann ebenfalls eine Positivorgel über der Dorotheenkapelle errichtete, jedoch finden sich keine weiteren Vermerke über dieses vermeintliche Instrument.
.

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1522, Hans Hauck
       Der Orgelbauer Hans Hauck, der wahrscheinlich schon seit Lehmanns Abreise aus Danzig 1510/1511 tätig war, wurde 1522 beauftragt Reparaturarbeiten an der großen Lehmann Orgel auszuführen. Des Weiteren erbaute Hauck eine neue Orgel auf der Sängerempore über der Sakristei.
Hauck wurde wahrscheinlich gebeten einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der Lehmann Orgel zu machen, den die Pfarrgemeinde als zu teuer ansah. Man erhoffte sich die Arbeiten von Lehmann günstiger ausführen zulassen, jedoch wollte man auch Hauck für den entgangenen Auftrag entschädigen und bot ihm den Bau einer neuen Orgel an.

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1523 - 1524, Blasius Lehmann
       Lehmann kehrte 1523 nach Danzig zurück um Reparaturen an seiner im Jahr 1510 erbauten Hauptschifforgel und an dem Instrument über dem Eingang zur Allerheiligenkapelle durchzuführen. Darüber hinaus errichtete er eine komplett neue Orgel über dem Eingang zur Reinholdskapelle.
Es wird angenommen, dass Lehmann es nicht als attraktiv ansah allein für eine Reparatur nach Danzig zu reisen. Aus diesem Grund soll man ihm den Bau einer neuen Orgel angeboten haben, um die Reise nach Danzig attraktiver zu machen.
Mit der Fertigstellung dieses Instruments besaß die Marien Basilika vier Orgeln zur gleichen Zeit, und falls die Angaben über den Bau der Orgel in der Dorotheenkapelle wahr sind, waren es sogar fünf Orgeln.

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1547, Antonius (Lehmann) aus Bautzen
       Antonius aus Bautzen, vermutlich der Sohn von Blasius Lehmann, führte 1547 Reparatur- und Erweiterungtätigkiten an der Hauptschifforgel, sowie der Orgel über dem Eingang zur Allerheilligenkapelle.

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1582 - 1585, Julius Anthoni (Friese)
       1582 sicherte sich die Stadt Danzig die Dienste des Orgelbauers Julies Anthoni, der später auch aufgrund seiner Herkunft aus Friesland Julius Anthonius Friese genannt wurde.
Anthoni, der 1575 in Hamburg und um 1579 in Lübeck tätig war, setzte sich mit Danzig und Königsberg zur gleichen zeit in Verbindung da ihm zu Ohren kam, dass beide Städte größer Orgelbauprojekte in Planung hatten.
Während seines Besuchs in Danzig 1582 teilte ihm die Stadt Königsberg mit, dass sie ihm den Bau einer Orgel in der Königsberger Kathedrale übertragen wollten. Um Anthoni's Abgang nach Königsberg zu verhindern verlieh ihm die Stadt Danzig kurzum das Bürgerrecht und sicherte ihm eine freie Unterkunft..
Danzig benötigte einen in der Stadt ansässigen Orgelbauer und Anthoni war besonders deshalb von Interesse, weil er während seiner Arbeit in Hamburg und Lübeck bereits mit dem Problem der hohen Luftfeuchtigkeit, einer Problematik die auch in den Danziger Kirchen vorhanden war, vertraut war.
Der Stadtrat von Königsberg war über das Danziger vorgehen nicht besonders erfreut und versuchte vergeblich durch ein Schreiben und durch persönliche Intervention Anthonis Dienste für die Stadt Königsberg zu sichern.

Anthoni's erster Auftrag in Danzig war, die 1522 erbaute Hauck Orgel auf der Sängerempore in Stand zu setzten und die Lehmann Orgel von 1524 über dem Eingang zur Reinholdskapelle zu erweitern..
Während dieser Arbeiten demontierte Anthoni die Hauptschifforgel von 1510 und benutzte das so gewonnene Pfeifen- und Holz material sehr wahrscheinlich zum Ausbau der Orgel über der Reinholdskapelle.

Disposition der Orgel über dem Eingang zur Reinholdskapelle nach dem Ausbau von 1582
Hauptwerk
 
Rückpositiv
 
Pedal
Gedackt
16'
  Prinzipal
8'
  Prinzipalbaß
16'
Prinzipal
8'
  Quintade
8'
  Subbaß
16'
Hohlflöte
8'
  Hohlflöte
8'
  Hohflöte
8'
Oktave
4'
  Oktave
4'
  Quintade
4'
Quinte
3'
  Spielflöte
4'
  Quinte
3'
Sedezima
2'
  Blockflöte
4'
  Bauernpfeife
2'
Glöckleinton
1'
  Nasat
3'
  Zimbel
Mixtur     Superoktave
2'
  Mixtur
      Gemshorn
2'
  Trompete
8'
      Zimbel
  Krummhorn
8'
      Mixtur
  Schalmei
4'
      Trompete
8'
  Singend Cornett
2'
      Krummhorn
8'
     
      Singend Regal
4'
     
      Tremulant        


Anthoni scheint seine Arbeit zur Zufriedenheit der Gemeinde verrichtet zu haben und er wurde verpflichtet eine neue, große Orgel an Stelle der 1510 von Lehmann erbauten Orgel im Hauptschiff zu errichten.
Julius Anthoni entwarf ein Instrument mit 53 Registern und den Orgelprospekt, der vom Zimmermann Stephan Kelch und Bildhauer Leo Wiegk gefertigt wurde.

Die Bauarbeiten an der großen Orgel begannen 1583. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der Bau dieses Instruments nur zwei Jahre dauerte, so kann man davon ausgehen, dass Anthoni und sein Geselle Johann Koppelmann etwa Acht bis Zehn Hilfsarbeiter hatten.
Die Pfeifen wurden wahrscheinlich alle aus Metall gefertigt, da Holz pfeifen damals noch nicht üblich waren.
1584 fing Anthoni an das Pfeifenwerk zu montieren, jedoch ereignete sich ein Unfall während des Baus der Anthoni sein Leben kostete

Johann Koppelmann beendete die Arbeit seines Meisters und übergab die Orgel offiziell am 18 Oktober 1585 der Pfarrgemeinde.

Am 18. und 19. Oktober fanden einige Orgelproben statt zu denen auch auswärtige Organisten geladen waren. Die Proben waren sehr gesellig wie Quellen berichten, denn die Leute tranken Wein und spielten mit Würfeln.

Der Organist Cajus Schmiedlein aus Hamburg beeindruckte die Danziger mit seinem Spiel und er wurde auf die Stelle des Marienorgansiten, die er bis zu seinen Tod in Jahr 1611 inne hielt, eingestellt.

Nach Auswertung verschiedener Dokumente und Quellen zur Disposition der Anthoni Orgel haben Werner Renkewitz und Jan Janca eine Rekonstruktion der wahrscheinlichen Stimmdisposition erarbeitet.

Rekonstruktion der Dispotion von 1585 durch Werner Renkewitz und Jan Janca
Oberwerk
 
Rückpositiv
 
Pedal Unten
Principal
16'
  Principal
8'
  Octava
8'
Ged. Hohlflöte
16'
  Ged. Hohlföte
8'
  Gedackt
8'
Quintadena
16'
  Spielflöte
8'
  Spitzquinte
6'
Viol oder Octav
8'
  Viol oder Octav
4'
  Superpctava
4'
Spielflöte
8'
  Blockflöte
4'
  Quintadena
4'
Offenflöte
8'
  Offenflöte
4'
  Nachthorn
2'
Quintadena
8'
  Nasat
3'
  Bauernpfeife
1'
Viol oder Octav
4'
  Sedecima
2'
  Rauschpfeife
3' & 2'
Spielflöte
4'
  Gemshorn
2'
  Mixtur
9x
Sedecima
2'
  Sifflöte
1 1/3'
  Cymbel
6x
Rauschpfeife
3' & 2'
  Waldflöte
1'
  Krummhorn
8'
Cymbel
6x
  Rauschpfeife
3' & 2'
  Schalmay
4'
Mixtur
26x
  Cymbel
5x
  Cornett
2'
Tremulant     Mixtur
2x
     
      Trompete
8'
  Pedal Oben
Brustwerk   Krummhorn
8'
  Unterbaß 32'
Gedackt
8'
  Schalmay
4'
  Unterbaß 16'
Principal
4'
  Halber Zink
4'
  Posaune 16'
Ged. Hohlflöte
4'
        Trompete 8'
Quintadena
4'
           
Detzchen
1 3/5'
  Manualumfang     Pedalumfang  
Cymbel
3x
  C, D, E - c3     C, D, E - d1  
Regal
8'
           
Zink
4'
           
Tremulant              



Auch konnten Renkewitz und Janca die folgende Zusammensetzung der Mixtur 26fach aus dem Hauptwerk rekonstruieren, basierend auf den Aufzeichnungen von Michael Praetorius::

C = 8' - 5 1/3' - 4' - 2 2/3' - 2' - 1 1/3' - 1' - 2/3' - 1/2' - 1/3' - 1/4' doppelt wovon 1' und 1/2' vierfach besetzt
c = 10 2/3' - 8' - 5 1/3' - 4' - 2 2/3' - 2' - 1 1/3' - 1' - 2/3' - 1/2' doppelt wovon 2', 1' und 1/2' vierfach besetzt
c1 = 16' - 10 2/3' - 8' - 4' - 2 2/3' - 2' - 1 1/3' - 1' doppelt wovon 8', 4', 2' und 1' vierfach besetzt
c2 = 21 1/3' - 16' - 10 2/3' - 8' - 5 1/3' - 4' - 2 2/3' - 2' doppelt wovon 16', 8', 4' und 2' vierfach bestzt

Anthonis Orgelprospekt war im niederländischen Renaissance Stil gebaut, mit drei Türmen und Feldern dazwischen.
Das Hauptwerk bestand aus einem höheren, mit sieben Pfeifen besetzten Mittelturm den zu beiden Seite je zwei vertikal getrennte Zwischenfelder mit den Seitentürmen verbanden.
Alle Türme waren polygonal, aus dem Zehneck mit vorn liegender Kante gestaltet.
Das Rückpositiv, welches in die Geländerbrüstung gearbeitet war, war genauso geformt.
Die Türme des Hauptwerk schlossen nach oben hin mit Kronenförmigen Kuppeln ab auf denen große Holzfiguren standen; König David auf dem Mittelturm und musizierende Engel auf beiden Seitentürmen.
Auf den Türmen des Rückpositivs standen Moses auf dem Mittelturm und je ein Engel auf den beiden Seitentürmen.
Die Prospektpfeifen der Türme und Felder wurden von einem Sockel getragen welcher dem Grundriss verlauf der Türme und Felder entsprach. Unterhalb der Türme war der Sockel mit figurierten Reliefs dekoriert, während unterhalb der Felder der Sockel mit in Nischen stehenden Figuren verziert war.
Jeder der Seitentürme hatte auf seiner Außenseite fein geschnitzte Ohren.

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1616, Merten Friese & Ägidus Schubbe
       Die nächsten überlieferten Arbeiten an den Marienorgeln wurden 1616 von Anthoni's Sohn Merten Friese und von Ägidus Schubbe durchgeführt und bestand aus der Erweiterung der 1522 erbauten Hauck Orgel auf der Sängerempore um ein Pedalwerk samt Pedalklaviatur.

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1652 - 1683, Die Orgelbauer-familie Nitrowski
       1652 schloss man einen Vertrag mit dem Orgelbauer Georg Nitrowski ab, der Reparaturen in beträchtlichen Umfang an der großen Anthoni Orgel durchführen sollte.
Nitrowski kehrte 1672 nach St. Marien zurück um die Orgel über dem Eingang zur Reiholdskapelle in Stand zu setzten.
1673 unternahmen Georig Nitrowski und sein Sohn Andreas einen Umbau der Anthoni Orgel. Sie wurden dabei von Johann Balthasar Held unterstützt, einige Jahre später ein Schüler von Arp Schnitger werden sollte.
Die durchgeführten Arbeiten an der Anthoni Orgel umfassten eine komplette Instandsetzung der Windladen und des Pfeifenwerks. Die 26-fache Mixtur aus dem Hauptwerk wurde dabei beseitigt.

Disposition der Hauptschiff Orgel nach dem Umbau durch Nitrowski 1673
Oberwerk
 
Rückpositiv
 
Pedal
Principal
16'
  Principal
8'
  Unter-Satz
32'
Hohlflöte
16'
  Flöte
8'
  Sub-Baß
16'
Quintadena
16'
  Spiel-Flöte
8'
  Gedact
16'
Octava
8'
  Salicional
8'
  Salicional
16'
Salicional
8'
  Quintadena
8'
  Octava
8'
Hohlflöte
8'
  Octava
4'
  Hohlflöte
8'
Spiel-Flöte
8'
  Wald-Flöte
4'
  Quintadena
8'
Octava
4'
  Super-Ocatva
2'
  Super-Octava
4'
Offene Flöte
4'
  Gemshorn
2'
  Rausch-Quinta
3'
Sedecima
2'
  Quinta
3'
  Bauer Flöte
2'
Quinta 3
2'
  Nasat
3'
  Sexta
2'
Spitz Quinta
1 1/2'
  Mixtur
6x
  Mixtur
11x
Mixtur
11x
  Trommete
8'
  Posaune
16'
      Krumhorn
8'
  Trommete
8'
      halber Cornet
8'
  Krumhorn
8'
Brustwerk         Schallmey
4'
Principal
4'
        Cornett
2'
Gedact
8'
           
Quintadena
4'
           
Flöte
2'
           
Schwiegel
1'
           
Regal
8'
           


1683 bekamen die Brüder Andreas und Daniel Nitrowski den Auftrag für erneute Reperaturen an der Orgel über dem Eingang zur Reinholdskapelle, die wegen ihrer Fehleranfälligkeit und Reparaturschwierigkeit den Beinamen „die Verfluchte“ erhielt.

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1712 - 1735, Andreas Hildebrandt
       Vermutlich führte 1712 der ansässige Orgelbauer Andreas Hilldebrandt eine Reparatur an der alten Orgel über dem Eingang zur Allerheiligenkappel durch.
1727 wurde Hildebrandt die Aufgabe aufgetragen, ein technisches Gutachten über den Zustand der großen Anthoni Orgel zu erstellen, an der er 1734-1735 Instandsetzungstätigkeiten durchführte.

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1758 - 1760, Friedrich Rudolf Dalitz
       Friedrich Rudolf Dalitz war 1758-1760 der nächste, der Arbeiten an der Anthoni Orgel durchführte.
Sehr wahrscheinlich machte Dalitz eine Generalüberholung der meisten Windladen und platzierte einige Register um. Darüber hinaus änderte er die Namensgebung einiger Register, weshalb nicht alle „neuen“ Register in der Dalitz-Disposition auch wirklich neue Register sind.
Des Weiteren führte Dalitz eine Generalüberholung, wenn nicht sogar einen kompletten Neubau, der Spiel- und Registriertraktur und wechselte die Tasten der Manualklaviaturen.

Es herrscht Unklarheit darüber, ob Dalitz ebenfalls den Orgelprospekt neu gebaut oder lediglich beschädigte Stellen ausgetauscht hat.
Die Quellen und Nachforschungen diesbezüglich geben nicht genügend Aufschluss welche der zwei Varianten nun stimmt und widersprechen sich teilweise gegenseitig.
Einige Aufzeichnungen berichten, dass der Orgelprospekt vom Holzwurm zerfressen war und komplett neu gebaut werden musste, währen andere Quellen von unterschiedlichen Schnitzstilen sprechen, welche andeuten sollen, dass der Prospekt nachträglich ergänzt wurde.
Sollte Dalitz tatsächlich einen Neubau des Prospekts in Auftrag gegeben haben, so kann davon ausgegangen werden, dass der neu Prospekt in Form und Ausmaß dem original Prospekt von Athoni nachempfunden war.

Disposition der Dalitz Orgel von 1758/1760
Oberwerk
 
Rückpositiv
 
Pedal
Principal
16'
  Principal
8'
  Contra Baß
32'
Quintadena
16'
  Flauto
8'
  Principal
16'
Flaut Major
16'
  Flaut allamande
8'
  Subbaß
16'
Octava
8'
  Quintadöna
8'
  Violone
16'
Flaute
8'
  Salicinal
8'
  Quinta major
10 2/3'
Viol di Gamba
8'
  Fugare
8'
  Octava
8'
Octava
4'
  Octave
4'
  Flauto
8'
Flaut
4'
  Flaut Traversa
4'
  Octava
4'
Quinta
3'
  Flaut amabile
4'
  Quinta
3'
Octava
2'
  Quinta
3'
  Flagolett
1'
Mixtur
11x
  Octava
2'
  Sexquialter
13/5'
Cimbel
3x
  Mixtur
9x
  Mixtur
10x
Fagotto
16'
  Dulcian
16'
  Cimbel
3x
Vox Humana
8'
  Trompet
8'
  Trombone
32'
Campanetta
  Zincke
8'
  Posaune
16'
            Tromba
8'
Ober-Clavier   Spielregister   Schalmey
4'
Flaut
8'
  Campanetta     Cornetto
2'
Principal
4'
  Cimbel Stern        
Quintadöna
4'
  Timpani        
Quinta
3'
  Vocatur        
Schwiegel
1'
  Aperta        
Regal
8'
  Noli me tangere        


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1777 - 1778, Friedrich Rudolf Dalitz
       In den Jahren 1777 und 1778 demontierte Dalitz gleich drei Orgeln permanent: die 1522 erbaute Orgel auf der Sängerempore, die 1524 erbaute Orgel über dem Eingang zur Reinholdskapelle und die Orgel von 1475 über dem Eingang zur Allerheiligenkapelle.
Auf dem so gewonnenen freien Platz auf der Sängerempore errichtete er eine neue Chororgel samt neuem Orgelprospekt. Der Orgelprospekt bestand aus insgesamt fünf Türmen, drei größeren und zwei kleineren, die mit Wellenförmigen Feldern verbunden waren.
Auf den drei höchsten Türmen standen überlebensgroße Engelsfiguren mit Trompeten, die ursprünglich über einen Mechanismus verfügten mit dem man sie bewegen konnte.
Auf den zwei kleineren Türmen waren die Cimbelsterne angebracht..

Die überlieferte Disposition der Dalitzorgel auf der Sängerempore
Manual
 
Pedal
Bourdun
16'
  Subbaß per forsch
16'
Principal
8'
  Principal Baß
8'
Hohflöte
8'
  Flöt gedackt
8'
Flaut Travers (Disc.)
8'
  Saliconal
8'
Quintadöna
8'
  Octava
4'
Viol di Gamba
8'
  Offne Flöt
4'
Octava
4'
  Octava
2'
Flaut amabile
4'
  Mixtur
6x
Quinta
3'
  Dulcian
16'
Octava
2'
  Trompet
8'
Waldflöte
2'
     
Mixtur
5x
     
Trompet (Bas disc.)
8'
  Cimbelsterne, Tremulant,  
      Sperr Ventil, Calcant, 4 Belows  
Manualumfang     Pedalumfang  
C - d3     C - d1  


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1869, Carl Schuricht
       Es dauerte bis 1869 bis die folgenden Arbeiten an den Marienorgeln durchgeführt wurden. In jenem Jahr unternahm Carl Schuricht Wartungsarbeiten an der Anthoni-Dalitz Orgel und änderte das Flageolett 1' im Pedal auf ein 2'-Register..

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1891, Max & August Terletzki
       Die Firma von August Terletzki aus Elbing führte 1891 einen großen Umbau der Anthoni-Dalitz Orgel aus
Terletzki baute ein komplett neues Instrument mit pneumatischer Traktur in den bestehenden Prospekt. Dabei wurden die Prospektpfeifen des Rückpositivs stumm gelegt, das Pfeifenwerk des Rückpositivs und Brustwerks wurde komplett entfernt und beide Werke wurden leer gelassen.
Terletzkis neue Orgel verfügte über 56 Register und war von der Intonation her mit mehr Grund- und weniger Obertönen deutlich für das Romantische Klangbild ausgelegt.

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1895, Otto Heinrichsdorf
       Kurz nach Terletzkis Umbau wurde auch die Chororgel auf der Sängerempore vom Danziger Otto Heinrichsdorf umgebaut, der dem Instrument ein zweites Manual mit fünf Registern und pneumatischer Traktur hinzufügte. Der Winddruck wurde erhöht um dem zweiten Manual Rechnung zu tragen und die Intonation wurde erheblich verändert.
Rücksichtslose Pflege in den Folgejahren führte zu einem baldigen Verfall der Orgel.

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1931, Josef Goebel
       Josef Goebel änderte 1931 die Intonation der großen Hauptschifforgel und führte sie etwas von Romantischem Stil weg durch die Erweiterung der Obertöne..

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1935 - 1938, Emanuel Kemper
1935 begann die Lübecker Firma von Emanuel Kemper mit dem Umbau der großen Orgel, bei dem die verstummten Prospektpfeifen des Rückpositivs wieder an die Windladen angeschlossen wurden und Rückpositiv und Brustwerk wieder mit Pfeifen besetzt wurden. Dabei wurden einige Windladen und Pfeifen von Terletzki wieder verwendet.
Kemper gab der Orgel insgesamt 88 Register mit (Neo)Barocker Intonation. Um 1938 begann Kemper damit, das Pfeifenwerk der Chororgel abzutragen. Daraufhin wurde ein komplett neues Instrument mit 32 Registern auf zwei Manualen und Pedal in den Dalitz Prospekt eingebaut. Auch diese Orgel besaß eine barocke Intonation.
Die Chororgel wurde mittels eines elektrischen Kabels mit der großen Orgel verbunden, so dass beide Instrumente vom Spieltisch der großen Orgel gespielt werden konnten.
Zusammen verfügten beide Instrumente über 120 Register und 8176 Pfeifen, was die Orgel wieder zur größten im Ostseeraum machte und zahlreiche Besucher zu den Konzertabenden lockte.

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1945 - 1961
Beide Instrumente fielen dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Die große Hauptschiff Orgel, welche für lange Zeit als größte und beste Orgel im Ostseeraum galt, verbrannte fast vollständig im Stadtbrand im März 1945 und nur etwa ein drittel des Prospekts blieb übrig.
Die Chororgel wurde vollständig vernichtet.
1961 schenkten in den Vereinigten Staaten lebenden Polen der Marienkirche eine große, elektronische Orgel, welche dann auf der Sängerempore über der Sakristei aufgestellt wurde.
Auf lange Sicht jedoch waren Instrument und Standort unter Berücksichtigung der Wichtigkeit der Marienkirche nicht zufrieden stellend.

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1979, 1982 - 1985, Gebrüder Hillebrand
Der Orgelprospekt der Johanniskirchen, erbaut in den Jahren 1625 bis 1629 von Anthonis Sohn Merten Friese, hat wie durch ein Wunder der Krieg überlebt und wurde 1979 zum Aufbau in der Marienkirche vom Stadtkonservator Danzigs übergeben.
Der in Danzig geborene Arzt Dr. Otto Kulcke aus Frankfurt a. Main gründet indes einen Vörderverein um die nötigen Geldmittel für die Restaurierung der Friese Orgel aufzutreiben.
Der Wiederaufbau der Friese Orgel wurde zur Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.
Die Polnische Seite sollte den erhaltenen Prospekt in Stand setzten und zusammen mit der erhaltenen Chorbühne am West ende des Hauptschiffs aufbauen.
Schätzungsweise 90% der Holzverzierungen haben den Krieg und die danach folgende Lagerung überstanden und somit war der Anteil, den Zimmermänner getreu nachmachen mussten, relativ gering.
Die Deutsche Seite verpflichtete sich zur Herstellung und Installation einer neuen Spielanlage in den vorhandenen Prospekt.
Für diese Arbeit wurde die Firma der Gebrüder Harry und Guntram Hillebrand aus Isernhagen bei Hannover unter Vertrag genommen.
Das leitenden Prinzip bei diesem Orgelbau war, den klang der Friese Orgel authentisch wiederherzustellen. Zusammen mit dem Orgelsachverständigen Helmut Winter wurde ein Dispositionskonzept entworfen welches auf der originalen Renaissance Disposition von 1629 basierte.
Die Orgelbauer haben den Innenraum der Marienkirche klang technisch vermessen mit dem Resultat, dass die Basilika die tiefen Bass töne förderte und die hohen Obertöne absorbierte. Aus diesem Grund wurden die Prinzipalregister des Hauptwerks und Rückpositives ab dem eingestrichenen c doppelchörig besetzt.
Das Instrument wurde mit voll-mechanischer Spiel- und Registriertraktur gebaut und verfügt über mechanische Schleifladen.
Nach historischem Vorbild wurde mit Hämmern und Ausdünnen des Pfeifenmaterials die Klangcharakteristik beeinflusst, die Pfeifenmündungen der gedeckten Register gelötet, und die Zungenregister in der Bauweise der norddeutschen Fritsche-Stellwagen-Schule des 17. Jahrhunderts gefertigt.
Zur Windversorgung wurden, ebenfalls nach historischem Vorbild, Keilförmige Bälge installiert.
Vom Instrument Merten Frieses waren die Prospektpfeifen, somit der komplette Prinzipal 16' des Hauptwerks und Prinzipal 8' des Rückpositives, noch erhalten. Lediglich die sieben größten Pfeifen des Hauptwerks (Prinzipal 16') mussten neu gefertigt werden.
Bereits im August 1983 machten die Gebrüder Hillebrand einen Teil der Orgel mit 25 Registern in der Marienkirche Spielfertig.
Der Rest des Instruments wurde in den darauf folgenden Monaten montiert und am 18. August 1985 um 12:00 Mittags wurde das Instrument mit 46 Registern auf drei Manualen und Pedal offiziell eingeweiht.
Disposition der 1985 erbauten Hillebrand Orgel
Brustwerk
 
Hauptwerk
26 Gedackt
8'
  8 Prinzipal
16'
21 Traversflöte
8'
  38 Oktave
8'
27 Prinzipal
4'
  39 Hohlflöte
8'
22 Gedackt
4'
  9 Spillpfeife
8'
28 Spitzflöte
2'
  10 Oktave
4'
23 Terz
1 3/5'
  40 Spillflöte
4'
29 Quinte
1 1/3'
  11 Quinte
2 2/3'
24 Sifflöte
1'
  12 Oktave
2'
25 Regal
8'
  41 Sesquialtera
2x
30 Schalmey
4'
  42 Mixtur
7x
        13 Trompete
16'
             
Rückpositiv
 
Pedal
15 Prinzipal
8'
  1 Prinzipal
16'
16 Gedackt
8'
  44 Subbas
16'
31 Quintadena
8'
  2 Oktave
8'
17 Oktave
4'
  45 Gedackt
8'
32 Rohrflöte
4'
  46 Quinte
5 1/3'
18 Nasat
2 2/3'
  3 Oktave
4'
19 Okatve
2'
  47 Quintade
4'
33 Waldflöte
2'
  48 Bauernflöte
1'
20 Scharff
5x
  4 Mixtur
5x
34 Zimbel
4x
  49 Posaune
32'
35 Trompete
8'
  5 Posaune
16'
36 Dulcian
8'
  50 Trompete
8'
        6 Cornett
4'
             
Spielhilfen
7 Rp/Ped.     51 Hw/Ped.  
14 Rp/Hw     T1 Tremulant  
37 Zimbelstern     T2 Tremulant-Rp  
43 Bw/Hw          
             
Manualumfang:     Pedalumfang:  
C, D - d3     C - f1  


Anordnung der Registrierzüge
Ped
Hw
Rp
Bw
Bw
Rp
Hw
Ped
8
37
1
44
9
 
38
2
15
 
31
45
10
21
 
26
39
3
16
 
32
46
11
22
 
27
40
4
17
 
33
47
12
23
 
28
41
5
18
 
34
48
13
24
 
29
42
6
19
 
35
49
14
25
Manual 3
30
43
7
20
Manual 2
36
50
T2
Manual I
T1
51
Im Sinne des Werkprinzips klingen die Prinzipalregsiter des Hauptwerks und Rückpositivs hörbar unterschiedlich.
Der Prinzipal 16' im Hauptwerk besteht aus einer Zinn-Blei Legierung. Im Gegensatz ist der Prinzipal 16' im Pedal aus Holz gefertigt, was den zwei Registern wiederum unterschiedlich Klangcharaketristicen verleiht.
Die Mixtur 7fach des Hauptwerks und Zimbel 4fach des Rückpositivs repetieren in Abständen von je einer Oktave auf jedem C-Ton. Das Register Scharff 5fach des Rückpositivs repetiert in Quintabständen auf jeder C- und G-Taste.
Die Orgel ist gleichstuffig temperiert und ist auf den Grundton a 1 = 440 Hz gestimmt. Der Winddruck beträgt 88mm Wassersäule.
Es gibt einen sehr interessanten Nebeneffekt bei den zwei 8' Flöten des zweiten Manuals (Hauptwerk): Hohlpfeife 8' und Spillpfeife 8'.
Einzeln gespielt klingen erklingen die Register jeweils in der Acht-Fuß Lage. Spielt man beide Register zusammen überlagern sich die Schallwellen und der resultierende Klang entspricht der Vier-Fuß Lage.
Abgesehen vom regelmäßig benötigten Stimmen musste an der Hillebrand Orgel bisher keine Reparaturen durchgeführt werden.
Nach spezifischen Charakteristiken dieser Orgel gefragt teilte mir Bogusław Grabowski, Hauptorganist an der Marienkirche seit 1985, mit, dass dieses Instrument seiner Meinung nach keine Schwachstellen oder negativen Eigenschaften hätte. Es wäre, an der Zielsetzung gemessen, ein vorzügliches Instrument.
Für besonders nennenswert hält Herr Grabowski an erster Stelle die, seiner Meinung nach erstklassige, Intonation der Orgel. Des Weiteren ist Herr Grabowski sehr angetan von den durch die Gebrüder Hillebrand verwendeten Mensuren, den Zusammenstellungen der Mixturen, und der Weise in der die Register der Orgel miteinander harmonieren.
Nach der Windversorgung gefragt erzählte Herr Grabowski, dass es nur einmal vorgekommen ist, dass der Orgel der Wind ausging, und zwar während eines Orgelexamens bei dem der Student ein Werk Max Regers mit allen Registern spielte. Abgesehen von diesem einen Mal habe es jedoch nie Probleme mit der Windversorgung gegeben.

Zum Abschluss sei an dieser Stelle eine Bitte von Herrn Dr. Otto Kulcke bezüglich der 1985 fertig gestellten Orgel wiedergegeben:
“ Kommende Generationen bitten wir herzlich, sie so zu bewahren, wie sie konzipiert ist, und nicht durch unsachgemäße oder gearde einemal 'morderne' Eingriffe in Disposition oder Mechanik ihren Charakter und ihre Einmaligkeit zu verändern”.


Stand: 9 Mai 2004

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